Neue Ideen für die Seniorenbetreuung

Neue Ideen für die Betreuungsarbeit



Wieviel sollten Senioren trinken?
Mehr trinken – ein leidiges Thema für Betreuer und Betreute


Der Sommer bringt Hitze und die Hitze macht vielen Seniorinnen und Senioren zu schaffen. Dass die Hitze gefährlich werden kann, zeigte der Sommer 2018. Damals gab es in Deutschland 8700 hitzebedingte Todesfälle. Es ist also zweifellos sehr wichtig, ausreichend Flüssigkeit zu sich zu nehmen. Doch wieviel ist ausreichend? Sind es zwei oder gar drei Liter pro Tag? Viele ältere Menschen haben schon Mühe, auch nur 1,5 Liter pro Tag zu trinken.
Mit zunehmendem Alter lässt das Durstempfinden nach. Bei manchen hochaltrigen Menschen ist es gar nicht mehr vorhanden. Häufig haben ältere Menschen Angst, nicht rechtzeitig zur Toilette zu kommen und trinken deshalb absichtlich wenig. Gleichzeitig nehmen viele alte Menschen mehrere Medikamente ein. Diese Medikamente müssen verstoffwechselt und über die Nieren wieder ausgeschieden werden. Das funktioniert nur mit ausreichend Flüssigkeit. „Sie müssen mehr trinken!“ ist deshalb ein ständig wiederholter Satz, der Betreuten und Betreuern auf die Nerven gehen kann.
Wie zeigt sich Flüssigkeitsmangel?
Erste Anzeichen können Müdigkeit, Konzentrationsschwäche, Kopfschmerzen und Schwindel sein. Wenn der Schwindel dann auch noch zu Stürzen führt, kann es gefährlich werden.
Betreuende können am Handrücken eine kleine Hautfalte aufnehmen und leicht nach oben ziehen. Wenn die Hautfalte ein paar Sekunden stehen bleibt, deutet das auf Austrocknung hin. Der Urin sollte hell und klar aussehen. Eine ins bräunliche gehende Dunkelfärbung ist ein Warnzeichen. Meist riecht der Urin dann auch stärker.
Wenn starke Verwirrtheit oder Benommenheit auftreten, sollte ein Arzt gerufen werden.
Wieviel ist denn nun genug?
Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung e.V. (DGE) empfiehlt pauschal, mindestens 1,5 Liter pro Tag zu trinken. Bei großer Hitze solle es aber mehr sein, gibt die DGE an.
Auch das bayerische Landesamt für Gesundheit rät bei Hitze zu einer Trinkmenge von 1,5 bis 2 Litern täglich.
Das amerikanische National Council on Aging (NCOA) empfiehlt, die Flüssigkeitszufuhr nach dem Körpergewicht zu berechnen. So werden für eine Person mit 50 kg Körpergewicht täglich 1,1 Liter Flüssigkeit empfohlen, bei einem Gewicht von 75 kg schon 1,6 Liter und für Personen mit 90 kg Körpergewicht sogar 2,0 Liter.
Sie müssen also in der Regel eine zierliche ältere Dame mit 45 kg Körpergewicht nicht zwingen, zwei Liter pro Tag zu trinken. Das verursacht nur Stress für alle Beteiligten.
Wenn man die Angaben der verschiedenen Gesundheitsbehörden zusammenfasst, kommt man für die Flüssigkeitszufuhr auf folgende Mindest-Werte:










Flüssigkeitszufuhr ist nicht gleich Trinkmenge
Flüssigkeit nimmt der Mensch nicht nur in Form von Getränken zu sich. Auch viele Obst- und Gemüsesorten bestehen größtenteils aus Wasser. Ebenso Milchprodukte wie Joghurt oder Kefir. Suppen und Eintöpfe enthalten ebenfalls viel Wasser.
Rechnen Sie diese Art der Flüssigkeitszufuhr also auch mit. Und da immer wieder darüber diskutiert wird: Ja, Kaffee wird auch zur Flüssigkeitszufuhr gerechnet.
Wenn Sie unsicher sind, ob eine ältere Person genügend Flüssigkeit aufnimmt, führen Sie ein Trinkprotokoll.

Vorsicht: Bei Herzschwäche (Herzinsuffizienz) oder Nierenproblemen (Niereninsuffizienz) kann es schädlich sein, große Mengen zu trinken. Im Zweifelsfall fragen Sie den Hausarzt. Und noch einmal Vorsicht: Diabetiker sollten natürlich keine stark zuckerhaltigen Getränke zu sich nehmen. Also keine Limonaden, Cola, Obstsäfte. Die WHO rät aber auch ab, auf Dauer süßstoffhaltige Getränke zu konsumieren.

Volker Gehlert, Dementia Care Manager